Realität und Träume
die realität formt harte worte wie spitze nadeln die meinen bunten schillernden seifenblasen gegenübertreten und sie zum platzen bringen
Frustration
Gestern: ein verbilligter Restposten Umtausch ausgeschlossen Morgen: überfällt mich immer wieder unvorbereitet Heute: liegt mir schon seit dem Frühstück unverdaubar schwer im Magen
Dem Spiegelbild folgen
irgendwie wende ich mich immer wieder ab von mir ich folge immerzu nur dem spiegelbild das du von mir siehst es ist immer wieder die verlockung des scheinbar leichteren weges den du mir bereitest
immer wieder überlasse ich dir mein leben als einen ort an dem du dich wohl fühlen sollst und vertreibe mich selbst aus dem paradies
Wahrheit
die wahrheit wächst wie ein kleines kind das auch bei seinen ersten schritten stolpert irgendwann sollte sie laufen lernen um nicht das ganze leben auf allen vieren zu kriechen
Das Leben absitzen
manchmal denke ich ich sitze mein leben ab wie eine lebenslange haft dabei habe ich mich selbst verurteilt "im namen des volkes lebenslänglich"
es gibt keine gitter vor meinem fenster es gibt keine mauern die mich aufhalten und keine polizei würde versuchen mich zurückzubringen
ich habe mir selbst zu gericht gesessen die angst war der kläger die moral war der richter und mein verteidiger, der mut hatte sich beide beine gebrochen und ließ sich durch die angepasstheit vertreten
so habe ich den prozess verloren ich habe auf ein wiederaufnahmeverfahren verzichtet und mich resigniert in meiner zelle zur ruhe gesetzt habe die tür angeschrien sie solle sich öffnen aber nie die klinke heruntergedrückt
dann fing ich an auf die begnadigung zu hoffen die es immerhin für gute führung gibt und ich beruhigte mich mit dem gedanken nicht auf ewig hier gefangen zu sein
aber wenn ich erst einmal 15 jahre hier verbracht habe werde ich dann für die freiheit noch lebensfähig sein?
Geständnis
Ich muss dir was gestehn ich wusste nichts von mir bis du gesagt hast: sieh, so schön bist du.
Ich hab mich grau verschleiert ich hab mich schwarz versteinert und hab gesagt: sieh, so dunkel bin ich.
Du hast mir gewänder gegeben aus licht und aus sonne Du hast mir die asche vom gesicht gewaschen hast mir deinen spiegel vorgehalten und gesagt: sieh, so schön bist du für mich.
Noch ist mein spiegel grau verschleiert, schwarz versteinert bis ich bereit bin mein licht in meinen spiegel fallen zu lassen und zu sagen: sieh, so schön bin ich für mich.
Projektion
Ich sehe dich als Geheimnis und werde für mich zur Offenbarung
Entscheidung
Ich höre die Weite und Freiheit meines Geistes Ich fühle die Liebe und die Fülle meines Herzens
Ich spreche meine Worte, meine Wahrheit aus.
Ich sehe die Enge und Beschränkung meines Geistes Ich schmecke die Armut und den Geiz meines Herzens
Ich rieche meine Angst und meine Qual.
Ich bin in der Weite und Fülle in der Freiheit und Liebe wann immer ich mich lasse.
Träumen
Blütenwolkenträume treiben sanft dahin bin in mir gefangen weil ich schlafend bin bin in meinem Leben immer nur ein Stück hinter mir verborgen: einen Augenblick.
Ich
Denn ICH ich gebe diesem Leben diesem meinem Leben meine Worte, meinen Sinn.
Trauer
tränenverhangene Lidschlagmomente voll Kummer und Schmerz wie wolkenumflossene Himmelsgestade berühren mein Herz fließende, nässende, stillende Wasser umspülen mein Ich
wissende Weisen erklingen ganz leise: wer singt sie für mich?
Dankbarkeit
Ich gleite in mein Leben hinein voller Zärtlichkeiten voller Heiterkeiten voller Freude am tönenden Klang an hellen Gesang an wogendem Meeresrauschen
Ich fühle ganz tief in die Welt voller Möglichkeiten voller Dankbarkeiten
lass sie in mich herein atme aus, atme ein in einem seligen Lauschen.
Die Alchemistin
Im Feuer der Begeisterung erhitze ich das Blei denn ich weiß dass es Gold ist.
Weiß das Blei es auch?
Apokalypse
Eva, das Weib, die Verhüllte tanzt in Ekstase auf ihre eigene Melodie und enthüllt vor Adam ihre Seele.
Neubeginn
Mein Leben ist auseinander gebrochen in tausende kleine Stücke zersprungen mein Innerstes hat sich in Ritzen verkrochen Geborgenheit suchend durch Engen geschlungen.
Der Panzer der Angst auseinander gesprengt behutsam, allmählich die Schale verlassend - die schützende Hülle hat schützend beengt - nun staune ich, furchtsam die Weite erfassend.
Ich nehme mein Leben mit zärtlichen Händen. Ein leuchtender Strahlenkranz, der mich umgibt. Ich suche nicht Schutz hinter Mauern und Wänden und werde in wissenden Wogen gewiegt.
Verantwortung
Sobald ich die Verantwortung für mich übernehme hört die Frage nach der Schuld auf.
Herausforderung
Ich spiele die Apokalypse ich tanze mit dem Teufel bis du dir die Haare raufst oder lachst.
Erneuerung
Im Feuer der Ekstase tanzend verbrenne ich erneut erhebe ich mich singend aus der Asche.
Verlassenheit
Verlassen werden, verlassen sein, verlassen ich verlasse mich auf mich.
Wenn alles gut geht, steigt Phönix aus der Asche.
Ich bete zu Gott.
Schwere Entscheidung
Ich sinke hinab auf den Grund meiner Seele in tobendem Meeresrauschen.
Das tränenbewässerte, meerschaumumschäumte und uferumsäumte Gefilde will niemals und niemals das einstig und immer aufs neue Geschaute vergängliche, sterbend gebärende Heute und Jetzt gegen Bleibendes, endlich Beständiges tauschen.
Intoleranz
Wir opfern Menschen auf dem Altar unserer Glaubenssätze
Das Schweigen
zu einem Punkt vorgeschwiegen an dem man zu reden verlernt zu tief in mich selbst fortgelaufen und gefangen geblieben
die immer gleichen gedanken bis sie sich eingebrannt haben
auf einen stern hinaufgeträumt dessen licht die erde nie erreicht.
|